Lager- oder Produktionshalle: Beleuchtung nach Zonen richtig planen

Ratgeber · Lager- und Produktionshallen

Ein Lager braucht gleichmäßig ausgeleuchtete Regalgänge, eine Fertigung präzises Licht am Arbeitsplatz. So planen Sie die Beleuchtung Zone für Zone – vom Hochregallager über die Montagelinie bis zum Tiefkühllager.

Inhalt

Mit moderner LED-Technik wird die Hallenbeleuchtung vom vergessenen Kostenfaktor zur Investition mit schneller Amortisation. Entscheidend ist dabei nicht der bloße Tausch Leuchte gegen Leuchte, sondern eine Planung, die zwischen Lager- und Produktionsbereichen unterscheidet.

Lager- und Produktionshalle mit LED-Beleuchtung
Lager und Fertigung stellen unterschiedliche Anforderungen an das Licht.

Lager und Produktion im Vergleich

Kriterium Lager Produktion
Beleuchtungsstärke meist 100–300 lx 300–1.000 lx je nach Fertigung, für Feinarbeit mehr
Schwerpunkt gleichmäßig ausgeleuchtete Regalgänge und Regalfronten Arbeitsplätze und Maschinen, oft mit zusätzlichem Arbeitsplatzlicht
Farbwiedergabe weniger kritisch wichtiger, vor allem in der Qualitätskontrolle
Blendung (Empfehlung) höchstens UGR 22 UGR 19–22 je nach Tätigkeit
Besonderheiten große Montagehöhen, Umschlagzonen Stroboskopeffekt an rotierenden Maschinen, Vibrationen, Emissionen

Beleuchtungsstärken je Tätigkeit

Die DIN EN 12464-1 legt für Arbeitsstätten in Innenräumen Anforderungen an Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit, Blendungsbegrenzung (UGR) und Farbwiedergabe (Ra) fest; für Arbeitgeber maßgeblich ist die ASR A3.4. Zur Orientierung:

Bereich / Tätigkeit Beleuchtungsstärke
Lagerflächen 100–300 lx
Verpackung und Versand 300–500 lx
Montage 500–750 lx
Qualitätskontrolle, Präzisionsfertigung 750–1.000 lx
Feinmontage und Inspektion 1.000–1.500 lx

Richtwerte – die genauen Anforderungen hängen von der konkreten Tätigkeit ab.

Für Arbeitsbereiche eignet sich neutral- bis tageslichtweißes Licht mit 4.000–6.500 K, das Konzentration und Wachheit unterstützt; Pausen- und Ruhezonen erhalten warmweiße 2.700–3.500 K.

Typische Zonen und passende Lösungen

Hochregallager

Montagehöhen von oft 10–15 m, senkrechte Regalflächen, die ausgeleuchtet werden müssen, und Schatten in den Gängen sind hier die typischen Herausforderungen. Bewährt haben sich LED-Linearleuchten mit asymmetrischer Optik, die das Licht auf die Regalfronten lenken, LED-Hallenstrahler mit engem Abstrahlwinkel für große Höhen und zusätzliches Licht in kritischen Umschlag- und Kommissionierzonen.

Fertigung mit Produktionslinien

Produktionslinie mit LED-Hallenbeleuchtung
In der Fertigung kombiniert man Allgemeinbeleuchtung mit Licht am Arbeitsplatz.

Unterschiedliche Arbeitsschritte brauchen unterschiedliche Beleuchtungsstärken. Rotierende Maschinen dürfen durch flimmerndes Licht nicht scheinbar stillstehen (Stroboskopeffekt) – das verlangt flimmerfreie Treiber. Vibrationen und Emissionen setzen den Leuchten zu. Die Lösung: Allgemeinbeleuchtung plus Arbeitsplatzleuchten, vibrationsfeste und widerstandsfähige Leuchten sowie spezielles Licht für Prüf- und Kontrollplätze.

Kühl- und Tiefkühllager

Tiefkühllager mit LED-Leuchten
Im Tiefkühllager zählen Kältefestigkeit, sofortige volle Helligkeit und eine hohe Schutzart.

Das Licht muss auch bei Minustemperaturen sofort die volle Helligkeit erreichen und Feuchtigkeit sowie Kondensat standhalten. Wählen Sie LED-Leuchten, die für Temperaturen bis −30 °C ausgelegt sind, mindestens IP66 erreichen und Temperaturschocks beim Öffnen und Schließen der Türen vertragen. Kältetaugliche Treiber und ein Gehäuse, das sich bei Temperaturwechseln nicht verformt, sind Pflicht.

Hitze und Explosionsschutz

Für Bereiche über 50 °C gibt es LED-Leuchten mit verstärkter Kühlung und hitzebeständigen Komponenten; auch hier ist Kondensation ein Thema. In explosionsgefährdeten Bereichen sind zertifizierte ATEX-Leuchten Pflicht: Sie verhindern Funkenbildung und zu hohe Oberflächentemperaturen, haben gekapselte Elektronik und sind in Gerätekategorien für die jeweiligen Ex-Zonen eingeteilt. Auch ATEX-Leuchten gibt es als sparsame LED-Variante.

Schutzart und Robustheit

Die IP-Schutzart beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Wasser: Die erste Ziffer (0–6) steht für Staub, die zweite (0–9) für Wasser.

  • IP65: Basisstandard für übliche Lager- und Produktionshallen – staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt.
  • IP66: Schutz gegen starkes Strahlwasser, für feuchtere Umgebungen und die Reinigung mit Hochdruck.
  • IP67: Schutz bei zeitweiligem Untertauchen – für Sonderanwendungen, teils in der Lebensmittelindustrie.
  • IK08–IK10: Stoßfestigkeit, wichtig überall dort, wo Leuchten mechanisch beschädigt werden können.

Robuste, staubdichte Linearleuchten für solche Bereiche finden Sie unter LED-Feuchtraumleuchten.

LED statt Entladungslampe und Leuchtstoffröhre

Moderne LED-Hallenleuchten erreichen 120–160 lm/W und sparen gegenüber herkömmlicher Technik 50–80 % Energie. Hochwertige Leuchten halten 50.000–100.000 Stunden – bei üblichem Industriebetrieb 10–15 Jahre ohne Tausch.

  • volle Helligkeit sofort nach dem Einschalten, auch bei Kälte stabil
  • mit hochwertigen Treibern flimmerfrei; häufiges Schalten verkürzt die Lebensdauer nicht
  • gleichmäßiges Licht mit guter Farbwiedergabe: weniger Schatten, weniger Ermüdung, mehr Präzision und Sicherheit
  • kein Quecksilber, recycelbare Komponenten, weniger CO₂
  • praktisch keine UV- und IR-Strahlung im Licht, die Materialien schädigen könnte

Natriumdampf-Hochdrucklampen wurden früher in sehr hohen Hallen über 15 m eingesetzt, wenn die Farbwiedergabe kaum eine Rolle spielte; heute leuchten LED-Hallenstrahler mit engen Optiken auch diese Höhen effizienter aus. Für niedrige Decken sind lineare LED-Leuchten die wirtschaftliche Lösung – T5- und T8-Leuchtstoffröhren dürfen seit August 2023 in der EU nicht mehr in Verkehr gebracht werden (Restbestände dürfen noch verkauft und genutzt werden).

Steuerung: Zonen, Schichten, Sensoren

LED-Leuchten lassen sich stufenlos und ohne nennenswerten Effizienzverlust dimmen und einfach in Zonen aufteilen – die Grundlage für eine bedarfsgerechte Steuerung:

  • Zonen: nur genutzte Bereiche einschalten und die Beleuchtungsstärke je Hallenteil an den Betrieb anpassen.
  • Zeitsteuerung: Schalten nach Schichtplan, Absenken in Pausen und Phasen geringer Aktivität, Abstimmung auf Produktions- und Logistikzyklen.
  • Sensoren: Präsenz- und Bewegungsmelder aktivieren das Licht nur, wo gearbeitet wird; Tageslichtsensoren regeln nach dem verfügbaren Tageslicht; kombinierte Systeme dimmen sanft hoch und herunter.
  • DALI: Jede Leuchte ist einzeln adressierbar und meldet Status und Verbrauch zurück; Gruppen lassen sich ohne Umverdrahtung neu bilden – siehe dimmbare LED-Hallenbeleuchtung (0–10 V & DALI).
  • Gebäudeleittechnik: zentrale Überwachung und Bedienung, Abstimmung mit Heizung, Lüftung und Klima sowie mit Sicherheits- und Brandschutztechnik.
  • IoT: Verwaltung über die Cloud, Fernüberwachung und Updates, vorausschauende Wartung auf Basis echter Betriebsdaten und Optimierung anhand der Nutzungshistorie.

Trends: Human Centric Lighting mit einer im Tagesverlauf veränderlichen Lichtfarbe fördert Wachheit, Konzentration und Wohlbefinden und kann Unfälle verringern und die Produktivität steigern. Außerdem zählt Nachhaltigkeit: Leuchten, die sich leicht recyceln oder aufarbeiten lassen, ein kleinerer CO₂-Fußabdruck in Herstellung und Betrieb sowie Zertifikate für Energieeffizienz und Umwelteigenschaften.

Notbeleuchtung

  • Leuchten mit integrierter Notlichtfunktion: Ein Teil der LEDs leuchtet bei Stromausfall über einen Akku weiter
  • separate Notleuchten an strategischen Punkten der Halle
  • Zentralbatteriesystem, das ausgewählte Leuchten versorgt
  • Kombination dieser Lösungen

Maßgeblich sind DIN EN 1838 und ASR A3.4/3: Auf Fluchtwegen ist mindestens 1 lx für mindestens 1 Stunde nötig, in manchen Fällen bis zu 3 Stunden. Moderne Systeme testen sich automatisch und protokollieren ihren Zustand.

Amortisation richtig berechnen

Eine LED-Hallenbeleuchtung amortisiert sich meist in 2–4 Jahren, oft schon in 2–3 Jahren, im Dreischichtbetrieb auch in weniger als 2 Jahren. Am meisten spart der Ersatz von Entladungslampen; lange Brenndauer, hohe Strompreise und intelligente Steuerung verkürzen die Amortisation weiter. Eine vollständige Rechnung umfasst:

  • Investition: Leuchten, Montage, Verkabelung, Steuerung
  • Stromeinsparung: Verbrauchsdifferenz alt/neu × Strompreis
  • geringere Wartungskosten durch seltenen Tausch und weniger Arbeitsaufwand
  • Kosten für die Entsorgung der Altanlage
  • Fördermittel oder steuerliche Vorteile
  • höhere Produktivität durch besseres Licht (schwer zu beziffern)
  • geringere Kühllast, da LEDs weniger Wärme abgeben
  • voraussichtlich steigende Energiepreise

Prüfen Sie aktuelle Förderprogramme von Bund, Ländern und Kommunen. Der Anschluss an das 230-V-Netz gehört in die Hände einer Elektrofachkraft.

Häufige Fragen

Wie lange halten LED-Industrieleuchten?
Hochwertige Leuchten erreichen 50.000 Stunden und mehr – bei 12 Stunden Betrieb täglich über 11 Jahre. Die Angabe bezieht sich meist auf L70: Nach dieser Zeit liefert die Leuchte noch 70 % des ursprünglichen Lichtstroms. Wie lange sie tatsächlich hält, hängt vor allem von der Umgebungstemperatur und der Netzqualität ab.
Was sagt der UGR-Wert aus?
Blendung ist ein subjektiver Eindruck zu hoher Helligkeit im Blickfeld; der UGR-Wert (Unified Glare Rating) beziffert sie auf einer Skala von 10 bis 30. Je niedriger, desto geringer die Blendung. Empfehlenswert sind im Lager höchstens UGR 22, in der Produktion je nach Tätigkeit 19–22. Zu starke Blendung ermüdet die Augen, senkt die Produktivität und erhöht das Unfallrisiko.
Lassen sich Tageslicht und Kunstlicht kombinieren?
Ja, das ist sehr empfehlenswert. Lichtkuppeln oder Fensterbänder liefern hochwertiges Tageslicht und senken den Verbrauch, wenn Tageslichtsensoren das Kunstlicht automatisch dimmen. Kontraste und Blendung durch direkte Sonne lassen sich mit Diffusoren oder Verschattung beherrschen.

Sie planen die Beleuchtung für Ihr Lager oder Ihre Produktion? Senden Sie uns Maße, Montagehöhe und gewünschte Beleuchtungsstärke – Sie erhalten kostenlos eine Lichtberechnung und ein Angebot innerhalb von 24 Stunden (werktags).

Kostenlose Lichtplanung anfragen