Kita-Lichtmessung um 23 Uhr: 11 Räume, 457 Lux im Schlafraum
Lichtstudie · Kita · Messprotokoll
Messprotokoll nach DIN EN 12464-1 für elf Räume einer Kita. Unter welchen Bedingungen ein gemessener Lux-Wert Sinn ergibt – und ein Raum, in dem die Norm erfüllt ist und trotzdem etwas fehlt.
Dieses Dokument beginnt nicht mit einer Berechnung, sondern mit einem Luxmeter. Auf dem Deckblatt stehen die Uhrzeit 23:00 Uhr, der Gerätetyp mit gültiger Kalibrierung, die Netzspannung (234 V) und der Satz, dass 20 Minuten nach dem Einschalten des Lichts gemessen wurde.
Jede dieser Angaben hat ihren Grund. Und in einem Raum dieser Kita taucht eine Zahl auf, die die Norm erfüllt und bei der es sich trotzdem lohnt, kurz innezuhalten: Im Schlafraum leuchten 457 Lux.
Warum nachts um 23 Uhr gemessen wird
Künstliche Beleuchtung wird für sich allein bewertet. Käme der Techniker mittags, würde er die Summe aus Leuchten und Sonne messen – und nichts darüber erfahren, ob die Anlage die Norm auch dann erfüllt, wenn es draußen regnet oder Januar ist.
Daher die Uhrzeit. Um 23:00 Uhr ist es im Juli draußen dunkel, und das Luxmeter misst nur, was die Leuchten liefern.
Und warum zwanzig Minuten nach dem Einschalten?
Ein LED-Chip leuchtet direkt nach dem Einschalten heller als kurz darauf. Während er sich erwärmt, sinkt sein Lichtstrom – bei einem üblichen Panel um einige Prozent, bis sich die Temperatur stabilisiert hat. Wer direkt nach dem Einschalten misst, erhält einen Wert, den die Anlage im Betrieb nie erreicht.
Nach zwanzig Minuten hat sich die Leuchte thermisch eingependelt. Das Protokoll nennt diese Bedingung ausdrücklich – und das ist eines der wenigen Merkmale, an denen man erkennt, dass hier jemand gemessen hat, der weiß, was er tut.
Spannung 234 Volt
Im Protokoll sind auch das Versorgungssystem und die Spannung zum Zeitpunkt der Messung festgehalten. Nennspannung 230 V, gemessen 234. Der Unterschied ist klein, muss aber notiert werden: Läge die Netzspannung deutlich höher oder niedriger, ließen sich die Ergebnisse nicht mit der Berechnung vergleichen.
Zwei Sätze, die wie eine Formalität aussehen
„Messebene horizontal.“ Das Luxmeter muss waagerecht liegen. Ein geneigter Sensor misst einen anderen Wert, weil das Licht unter einem anderen Winkel auf die Fläche fällt.
„Der Sensor wurde durch keinen Gegenstand beeinflusst.“ Das heißt: Der Techniker stand nicht darüber. Wer sich über das Luxmeter beugt, wirft einen Schatten und nimmt ihm leicht ein Fünftel weg.
Noch eine Anmerkung zur Ehrlichkeit des Dokuments. Die Tabellen im Protokoll haben eine eigene Legende: Die Zahl vor dem Schrägstrich ist der berechnete Wert, die Zahl dahinter der geforderte. Das Protokoll stellt Messung und Berechnung also nebeneinander: Das Deckblatt belegt, unter welchen Bedingungen vor Ort geprüft wurde, die Tabellen zeigen das Modell, mit dem die Wirklichkeit verglichen wird.
Elf Räume, sieben Schubladen
Die Norm arbeitet nicht mit Raumnamen, sondern mit Raumarten. Der Planer ordnet jeden Raum einer davon zu und entscheidet damit, wie viel Lux, welche Gleichmäßigkeit und welche höchste Blendung dort gefordert werden.
| Raum | Raumart | Berechnet | Gefordert | Gleichmäßigkeit | UGR | Grenzwert |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Windfang | Flure | 220 lx | 100 lx | 0,78 | 12,1 | 28,0 |
| Kindergarderobe | Garderoben und Waschräume | 302 lx | 200 lx | 0,63 | 19,6 | 25,0 |
| Kinder-WC und Waschraum | Garderoben und Waschräume | 390 lx | 200 lx | 0,72 | 19,3 | 25,0 |
| Lager für Liegen und Spielzeug | Lehrmittelräume | 235 lx | 100 lx | 0,67 | 18,8 | 25,0 |
| Arbeitsraum der Erzieherinnen | Lehrerzimmer | 455 lx | 300 lx | 0,79 | 17,7 | 19,0 |
| Schlafraum | Krippenräume | 457 lx | 300 lx | 0,74 | 20,7 | 22,0 |
| Gruppenraum | Bastelräume | 505 lx | 300 lx | 0,79 | 17,9 | 19,0 |
| Essensausgabe | Küchen | 535 lx | 500 lx | 0,84 | 19,2 | 22,0 |
| Personalumkleide | Garderoben und Waschräume | 330 lx | 200 lx | 0,87 | 15,2 | 25,0 |
| Putzraum | Garderoben und Waschräume | 219 lx | 200 lx | 0,79 | 12,1 | 25,0 |
| WC | Garderoben und Waschräume | 246 lx | 200 lx | 0,86 | – | 25,0 |
Alle Räume bestehen. Die meisten mit großer Reserve – das Kinder-WC erreicht das Doppelte der Anforderung, das Lager für Liegen sogar mehr als das Doppelte.
Zwei Zeilen fallen jedoch auf. Der Gruppenraum ist als 43.3 – Bastelräume eingestuft und hat deshalb einen Blendungsgrenzwert von UGR 19. Der Schlafraum fiel unter 43.2 – Krippenräume, wo der UGR bis 22 betragen darf. Benachbarte Räume, dieselben Kinder, eine andere Messlatte.
Schlafraum: 457 Lux über schlafenden Kindern
Keine einzige Zahl in diesem Raum ist rot. Der dunkelste Punkt hat 336 lx, der hellste 564. Mittelwert 457 bei geforderten 300. Gleichmäßigkeit 0,74 gegenüber geforderten 0,4.
Aus Sicht der Norm ist das ein ausgezeichneter Raum. Zehn Panels auf 42,4 m², 9,6 W/m². Alles erfüllt.
Jetzt legen Sie sich einmal hin
Die Beleuchtungsstärke im Schlafraum ist in einer Höhe von 850 mm über dem Boden berechnet. Das ist Tischhöhe. Ein Kind auf der Liege hat die Augen etwa dreißig Zentimeter über dem Boden und schaut senkrecht nach oben.
Die Panels sitzen in der Decke in 3.000 mm Höhe. Das liegende Kind hat sie direkt in der Blickachse.
Der UGR kennt keinen liegenden Menschen
Berechnete Blendung im Schlafraum: niedrigster Wert 17,8, Mittelwert 19,6, höchster Wert 20,7. Der Grenzwert für Krippenräume liegt bei 22. Bestanden.
Schauen Sie sich aber die zwei Parameter unter dem Bild an. Beobachterhöhe 1.200 mm. Neigung gegenüber der Horizontalen 0°.
Der Blendungsindex UGR ist für einen Menschen definiert, der sitzt oder steht und waagerecht blickt. Das Programm geht alle Richtungen im Kreis durch und berechnet die Leuchtdichte der Leuchten im Gesichtsfeld und die Leuchtdichte des Hintergrunds. Keine dieser Richtungen zeigt aber zur Decke.
Was daraus folgt
Die Zahl 20,7 beschreibt die Erzieherin, die durch den Schlafraum geht. Über das Kind, das auf dem Rücken liegt und ein leuchtendes Quadrat von einem halben Meter direkt über dem Gesicht hat, sagt sie nichts.
Das ist weder ein Fehler der Berechnung noch des Protokolls. Es ist die Grenze dieser Kenngröße. Der UGR wurde für diese Frage nicht entwickelt, und es gibt keine Norm, die für einen Schlafraum etwas anderes verlangen würde.
Es gibt aber den gesunden Menschenverstand. Der Schlafraum dient dem Mittagsschlaf, also einer Zeit, in der dort überhaupt kein Licht brennen soll. Wenn Licht an ist, dann beim Hinlegen und beim Aufwecken – und in beiden Fällen reicht ein Bruchteil der 457 Lux.
Die Lösung, die nicht im Protokoll steht
In der Berechnung steht kein Wort über Dimmung. Die zehn Panels sind als ein Stromkreis geschaltet und kennen zwei Zustände: an oder aus.
Ein dimmbarer Stromkreis würde aus demselben Raum zwei machen: volle Leistung beim Aufräumen und Umziehen, zehn Prozent beim Schlafenlegen. Der Aufwand: ein Bedienelement und ein Treiber, der dimmen kann.
Oder zwei Stromkreise. Eine noch günstigere Variante: nur eine der beiden Panelreihen einschalten. Die Beleuchtungsstärke sinkt etwa auf die Hälfte, die Gleichmäßigkeit wird schlechter – was im Schlafraum überhaupt nicht stört.
Bemerkenswert ist, dass der benachbarte Gruppenraum 15 Panels mit ausgewiesen niedrigem UGR bekam und auf 17,9 bei einem Grenzwert von 19 kommt. In den Schlafraum kamen gewöhnliche Panels. Der Planer wusste also, wann ein blendungsarmes Panel angebracht ist – nur hat ihn die Norm nicht gezwungen, es auch dort einzusetzen, wo man an die Decke schaut.
Der Rest der Kita in Kürze
Essensausgabe: der einzige Raum mit erhöhter Schutzart
In die Essensausgabe kamen statt Panels vier staubdichte Linearleuchten. Beleuchtungsstärke 535 lx bei geforderten 500, Gleichmäßigkeit 0,84 – die höchste in der ganzen Kita. Eine Linearleuchte verteilt das Licht der Länge nach, sodass über der Arbeitsplatte keine Einbrüche zwischen den Lichtkegeln entstehen.
Die spezifische Anschlussleistung von 11,9 W/m² ist höher als im Gruppenraum (7,4). Die Küche braucht fünfhundert Lux, der Gruppenraum dreihundert.
Gruppenraum: 15 Panels und 7,4 W/m²
Der größte Raum im Haus hat die niedrigste spezifische Anschlussleistung. Das gilt fast immer: In einem großen Raum fallen die Verluste an den Wänden kaum ins Gewicht, in einer Kammer machen sie den Großteil des Verbrauchs aus.
Toilette: 20,3 W/m²
Ein Panel, zwei Quadratmeter, 20,3 W/m². Das ungünstigste Verhältnis im ganzen Gebäude – und es stört niemanden, weil dort nur wenige Minuten am Tag Licht brennt. Gleichmäßigkeit 0,86: In einem kleinen Raum wird das Licht von den nahen Wänden reflektiert und gleicht sich von selbst aus.
Wartungsfaktor 0,58
Das Protokoll rechnet mit einer Reinigung der Leuchten nach 12 Monaten und einer Renovierung der Oberflächen nach 36 Monaten. Die gemessenen Werte gelten für eine saubere Kita. Reflexionsgrade: Decke 0,7, Wände 0,5, Boden 0,3 – die weiße Decke leistet hier ein gutes Stück Arbeit umsonst.
Was die einzelnen Begriffe bedeuten
- Messprotokoll
- Dokument, das den tatsächlichen, mit einem Gerät gemessenen Zustand festhält – einschließlich der Bedingungen: Uhrzeit, Spannung, Zeit nach dem Einschalten und Lage des Sensors. Ohne diese Bedingungen ist die gemessene Zahl wertlos.
- Kalibrierung des Luxmeters
- Nachweis, dass das Gerät richtig misst. Ohne gültige Kalibrierung hat das Protokoll kein rechtliches Gewicht – und Messgeräte weichen schneller voneinander ab, als man denkt.
- Zwanzig Minuten nach dem Einschalten
- Die Zeit, in der sich eine LED thermisch stabilisiert. Ein kalter Chip leuchtet heller als ein warmer, eine Messung direkt nach dem Einschalten liefert also zu hohe Werte.
- UGR
- Kennzahl für die Blendung eines Beobachters, der waagerecht blickt. Für einen Menschen, der auf dem Rücken liegt, wurde der UGR nie definiert.
- Berechnungsebene
- Waagerechte Fläche, auf der die Lux-Werte berechnet werden. Hier 850 mm – Tischhöhe, nicht Liegenhöhe.
- Raumart
- Zuordnung des Raums zum Katalog der Norm. Sie legt alle vier Anforderungen auf einmal fest und ist eine Entscheidung des Planers, keine Tatsache.
- Staubdichte Leuchte
- Linearleuchte mit höherer Schutzart gegen Feuchtigkeit und Staub. In der Essensausgabe notwendig, im trockenen Gruppenraum überflüssig.
Was Sie daraus mitnehmen können
Elf Räume, sieben Raumarten, elf erfüllte Anforderungen. Das Protokoll endet mit dem Satz, dass die Beleuchtung der Norm entspricht. Das stimmt.
Zwei Dinge nehmen wir daraus aber über diesen Stempel hinaus mit:
Eine ehrliche Messung erkennt man an den Bedingungen, nicht am Ergebnis. Uhrzeit 23:00, 20 Minuten nach dem Einschalten, notierte Spannung, kalibriertes Gerät, unbeschatteter Sensor. Wer Ihnen ein Protokoll ohne diese Angaben vorlegt, legt Ihnen eine Zahl ohne Geschichte vor.
Eine erfüllte Norm ist nicht dasselbe wie gutes Licht. Der Schlafraum hat 457 lx, UGR 20,7 und eine Reserve von 1,3 Punkten. Die Norm ist zufrieden. Das Kind liegt unter zehn Panels und schaut hinein. Es fehlt das Einzige, was keine Norm verlangt: ein Schalter, der weniger kann als alles.
Panels und Leuchten ähnlich denen aus diesem Objekt finden Sie unter Rasterleuchten und Einlegeleuchten, LED-Panels und LED-Feuchtraumleuchten. Eine Kontrollberechnung und die Lichtplanung Ihrer Kita einschließlich Schlafraum und Essensausgabe erstellen wir kostenlos.
Sie möchten eine Lichtstudie für Ihre Kita? Senden Sie uns Grundriss, Raumhöhen und die Nutzung der Räume – Sie erhalten kostenlos eine Lichtberechnung und ein Angebot innerhalb von 24 Stunden (werktags).
Kostenlose Lichtstudie anfragen