Wellness-Etage mit Schwimmbad: 260 statt 300 Lux vertikal am Becken

Lichtstudie · Schwimmbad und Wellness

DIALux-Berechnung für eine Wellness-Etage mit Schwimmbad. Warum am Becken die vertikale Beleuchtungsstärke zählt, was eine Gleichmäßigkeit von 0,24 bedeutet und warum die Aufsichtskabine doppelt so viel Licht hat wie das Becken.

Sieben Räume, sechs erfüllen die Norm. Das Schwimmbad nicht. Das Protokoll setzt dort ein rotes Kreuz: berechnet 260 lx, gefordert 300. Gleichmäßigkeit 0,24. Eine unangenehme Zahl – und es lohnt sich zu klären, warum ausgerechnet das Becken durchfällt und was hier eigentlich bewertet wird.

Schwimmbad – vertikal260 lxAnforderung ≥ 300 lx
Normprüfungnicht erfülltals einziger Raum der Etage
Gleichmäßigkeit g10,24Minimum 62,0 lx
Aufsichtskabine522 lxdoppelt so viel wie am Becken
Leuchten über dem Wasser10×in 6,80 m Höhe
Downlights an den Wänden17×LED-Einbaustrahler
Verbrauch3.400 kWh/JahrGrenzwert 6.050 kWh
Schwimmhalle171,99 m²Wartungsfaktor 0,80

Am Becken wird nicht das Wasser bewertet, sondern der Schwimmer

Die wichtigste Zeile des ganzen Protokolls ist unscheinbar: Bewertet wird die vertikale Beleuchtungsstärke in 1,0 Meter Höhe. Nicht die Beleuchtungsstärke auf der Wasseroberfläche, nicht die am Beckenboden. Eine senkrechte Ebene einen Meter über dem Boden.

Der Grund dafür ist allein die Sicherheit. Der Rettungsschwimmer muss den Körper eines Schwimmers sehen – Rücken, Kopf, Arme. Das sind senkrechte Flächen. Wer ertrinkt, bewegt sich nicht am Beckenboden, sondern in der Wassersäule.

Würde man die horizontale Beleuchtungsstärke auf der Wasseroberfläche bewerten, sähe das Ergebnis viel besser aus. Die Leuchten strahlen nach unten, also kommt auf dem Wasser viel Licht an. Auf der senkrechten Fläche des Oberkörpers deutlich weniger – und genau dort entscheidet sich, ob der Rettungsschwimmer bemerkt, dass sich jemand nicht mehr bewegt.

Und dann ist da die Spiegelung

Die Wasseroberfläche ist ein Spiegel. Hängt eine Leuchte so, dass sie sich darin in Richtung des Aufsichtsplatzes spiegelt, sieht der Rettungsschwimmer statt des Beckenbodens einen blendenden Fleck. Deshalb werden Leuchten in Schwimmhallen über den Beckenrändern statt über der Mitte der Wasserfläche angeordnet, und deshalb setzt man Leuchten mit großer leuchtender Fläche und niedriger Leuchtdichte ein.

522 gegen 260 Lux

Schauen wir uns die ganze Etage an. Die Spalte „g1“ ist die Gleichmäßigkeit, die letzte Spalte die Anschlussleistung pro Quadratmeter:

Raum Berechnet Anforderung g1 W/m²
Eingang und Vorraum 110 lx 100 lx 0,71 4,70
Aufsichtskabine 522 lx 500 lx 0,73 23,60
Umkleide Herren 242 lx 200 lx 0,48 10,79
Umkleide Damen 217 lx 200 lx 0,40 7,77
WC Damen 227 lx 200 lx 0,92 25,11
WC Herren 226 lx 200 lx 0,92 24,27
Schwimmbad 260 lx ✗ 300 lx 0,24 4,91

Das springt sofort ins Auge: Die Aufsichtskabine hat 522 lx, die Wasserfläche, die von dort aus überwacht wird, nur 260. Doppelt so viel Licht.

Normativ ist beides korrekt – die Kabine ist ein Arbeitsplatz mit einer Anforderung von 500 lx, weil dort geschrieben und gelesen wird. Für das menschliche Auge ist es aber ein Adaptationsproblem. Ein Rettungsschwimmer, der von seinen Unterlagen aufblickt, braucht Dutzende Sekunden, bis sich seine Augen an das halb so helle Becken gewöhnt haben.

Die praktische Lösung steht in keiner Berechnung: Die Aufsichtskabine sollte dimmbar sein und während der Beckenaufsicht auf ein Niveau heruntergeregelt werden, das dem der Halle entspricht.

Gleichmäßigkeit 0,24: Wo ist es dunkel?

Der niedrigste Wert in der Schwimmhalle liegt bei 62,0 lx, der höchste bei 381. Das Verhältnis der dunkelsten Stelle zum Mittelwert beträgt 0,24 – sehr wenig.

Das Protokoll weist außerdem drei Teil-Berechnungsflächen aus, alle vertikal bewertet:

Berechnungsfläche 1: Mittelwert 267 lx, Minimum 125 lx, Maximum 330 lx, Gleichmäßigkeit 0,47.

Berechnungsfläche 2: Mittelwert 185 lx, Minimum 52,6 lx, Maximum 296 lx, Gleichmäßigkeit 0,28.

Berechnungsfläche 3: Mittelwert 262 lx, Minimum 141 lx, Maximum 328 lx, Gleichmäßigkeit 0,54.

Die mittlere Fläche ist die schlechteste: Mittelwert 185 lx und ein Minimum von nur 52,6. Das ist der Teil der Halle, in dem Leuchten fehlen oder am weitesten auseinanderliegen. Die äußeren Flächen kommen auf rund 265 lx und eine Gleichmäßigkeit über 0,45. Weil die Teilflächen als eigene Berechnungsflächen ausgewertet werden, kann ihr tiefster Wert sogar unter dem Hallenminimum von 62,0 lx liegen.

Was helfen würde

Leuchten über dem mittleren Bereich ergänzen. Am direktesten, am teuersten und im fertigen Bau am schwierigsten – über dem Wasser lässt sich schlecht ein Gerüst stellen.

Von der Seite aufhellen. Seitliches Licht hebt die vertikale Beleuchtungsstärke viel wirksamer an als Licht von der Decke. Wandleuchten über dem Wasser strahlen waagerecht – genau in die Ebene, die die Norm bewertet.

Hellere Oberflächen. Der Reflexionsgrad der Wände liegt in der Berechnung bei 50 %. Weiße Fliesen statt eines dunklen Mosaiks werfen einen wesentlichen Teil des Lichts in die senkrechte Ebene zurück – und in einer Schwimmhalle gibt es viel Wandfläche.

Zwei Leuchten, zwei Höhen, zwei Kurven

Die Halle ist mit zwei Leuchtentypen beleuchtet. Zehn Stück mit je 50,9 W hängen in 6,80 m Höhe über dem Wasser, siebzehn Downlights mit je 12,0 W in 3,28 m Höhe am Rand.

Lichtstärkeverteilungskurve der Leuchte über dem Wasser
Lichtstärkeverteilungskurve der Leuchte in 6,80 m Höhe. Ein schmales, gestrecktes Lichtbündel senkrecht nach unten – aus dieser Höhe notwendig, damit das Licht überhaupt bis zur Wasserfläche gelangt.

Diese schmale Form ist zugleich die Ursache der niedrigen Gleichmäßigkeit. Eine Leuchte in 6,80 Metern Höhe reicht weit, beleuchtet aber nur einen kleinen Kreis. Zwischen den Kreisen bleibt Dämmerlicht – und Dämmerlicht in der Vertikalen ist genau das, was den Rettungsschwimmer stört.

Lichtstärkeverteilungskurve des Downlights am Beckenrand
Lichtstärkeverteilungskurve des Downlights in 3,28 m Höhe. Ein breiteres, runderes Bündel – aus geringerer Höhe deckt es eine größere Fläche um sich herum ab.

Interessant ist die Lichtausbeute: Die große Leuchte liefert 98,4 lm/W, das Downlight nur 70,9 lm/W – gut ein Viertel weniger. Die Downlights sollen hier aber nicht die Lichtmenge liefern, sondern die Ränder und den Umkleidebereich aufhellen.

Chlor, Feuchtigkeit – und warum eine Leuchte im Schwimmbad keine Büroleuchte ist

Die Berechnung schweigt dazu, aber eine Schwimmhalle ist für Leuchten eine der härtesten Umgebungen im ganzen Gebäude.

Feuchtigkeit. Die Luft über dem Wasser ist dauerhaft gesättigt. Eine Leuchte, die „atmet“, zieht Feuchtigkeit nach innen, die beim Abkühlen darin kondensiert. Ein beschlagener Diffusor kostet Licht, und die Kontakte korrodieren.

Chlor. Chlorverbindungen in der Luft greifen Metalle an. Ein Aluminiumkühlkörper ohne Oberflächenschutz zersetzt sich im Schwimmbad schneller, als man denkt – und mit ihm gehen die Kühlung und die Lebensdauer der LED-Chips verloren.

Wartung. Eine Leuchte sechs Meter über der Wasserfläche zu tauschen heißt, entweder das Becken abzulassen oder eine schwimmende Arbeitsbühne aufzubauen. Genau deshalb wird mit einem Wartungsfaktor von 0,80 und einem möglichst langen Reinigungsintervall gerechnet – und deshalb kauft man hier Leuchten, die halten, nicht die billigsten. Geschlossene Modelle für solche Bedingungen finden Sie unter LED-Feuchtraumleuchten.

Die Schutzart muss zum jeweiligen Bereich am Becken passen. Direkt über dem Wasser gelten die strengsten Anforderungen, an den Wänden mit Abstand mildere. Das ist Sache der Elektroplanung und -prüfung, nicht der Lichtberechnung – entscheidet aber darüber, ob die Beleuchtung fünf Jahre hält oder zwanzig.

Was die einzelnen Zahlen bedeuten

Vertikale Beleuchtungsstärke
Licht, das auf eine senkrechte Ebene fällt. Am Becken entscheidend – der Rettungsschwimmer sieht den Körper des Schwimmers, nicht den Beckenboden.
g1 und g2
Zwei Maße für die Gleichmäßigkeit. g1 ist das Verhältnis der schwächsten Stelle zum Mittelwert, g2 das zur hellsten Stelle.
Adaptive Berechnung
Das Programm bewertet die vertikale Beleuchtungsstärke aus allen Richtungen und nimmt die ungünstigste. Strenger als eine einzelne gewählte Richtung.
Spiegelung auf dem Wasser
Die Wasserfläche spiegelt die Leuchten. Eine Anordnung über den Rändern statt über der Mitte verringert die Blendung des Rettungsschwimmers.
Spezifische Anschlussleistung
Schwimmbad 4,91 W/m², also 1,89 W/m² pro 100 Lux. Ein niedriger Wert – das Problem liegt nicht in der Effizienz, sondern in der Anordnung.

Was Sie daraus mitnehmen können

Die Schwimmhalle mit 171,99 m² erreicht 260 lx vertikale Beleuchtungsstärke bei geforderten 300, mit einer Gleichmäßigkeit von 0,24. Sie verbraucht 3.400 kWh im Jahr, also weit unter dem Grenzwert von 6.050. Es fehlt nicht an Energie. Es fehlt an Licht an der richtigen Stelle.

Wenn ein Badbetreiber nur eines mitnimmt, dann dies: Fragen Sie, in welcher Ebene gerechnet wurde. Die horizontale Beleuchtungsstärke auf dem Wasser sieht immer großartig aus. Die vertikale, in der die Sichtbarkeit des Schwimmers bewertet wird, liegt oft um ein Drittel darunter – und auf sie kommt es an.

Und fragen Sie dann, wo das Minimum liegt. Zweiundsechzig Lux mitten in der Schwimmhalle sind kein Detail der Berechnung. Das ist die Stelle, an der der Rettungsschwimmer nicht sieht, was unter der Wasseroberfläche geschieht.

Die Randleuchten aus dem Entwurf gehören zur Kategorie LED-Einbaustrahler. Die Lichtberechnung für Schwimmbad und Wellnessbereich erstellen wir kostenlos – einschließlich der vertikalen Ebene.

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