Lagerhalle: Gleichmäßigkeit 0,4 kann ein sehr guter oder ein schlechter Entwurf sein
Lichtstudie · Lagerhalle
DIALux-Berechnung für ein Lager mit 653 m²: Isolinien, die niedrigste spezifische Leistung unserer Lichtstudien und eine Frage, die keine Tabelle beantwortet – wo genau liegt der dunkelste Punkt?
Der sparsamste Raum unserer Lichtstudien: Das Lager mit 652,8 m² wird mit 1.936 W beleuchtet, also mit 1,11 W/m² pro 100 Lux. Gleichzeitig hat es die niedrigste Gleichmäßigkeit (0,406) und die dunkelste Decke (52 lx) von allen. Beides hängt zusammen – und beides ist in Ordnung.
Leuchtenreihen entlang der Regale
Der Plan zeigt Isolinien – Linien, die Punkte gleicher Beleuchtungsstärke verbinden. Die roten Rechtecke sind die Leuchten.
Die Leuchten bilden vier Längsreihen, dazwischen liegen deutliche Bänder mit niedrigeren Werten. Das ist keine Nachlässigkeit – die Reihen folgen den Gängen, nicht einer gleichmäßigen Abdeckung des Bodens. Wo ein Regal steht, ist Licht am Boden überflüssig: Dort geht niemand, und dort liegt nichts.
Der Bericht weist außerdem aus, dass 100 % der Fläche unter 400 Lux liegen. Der hellste Punkt im Lager hat 396 lx. Nirgends gibt es auch nur einen Lux mehr als nötig.
Das Berechnungsraster umfasst 128 × 128 Punkte – über sechzehntausend Kontrollpunkte auf gut sechshundert Quadratmetern. Genau deshalb sind die Einbrüche zwischen den Reihen im Ergebnis sichtbar geblieben.
Gleichmäßigkeit 0,406: Wo liegt das Minimum?
Der dunkelste Punkt hat 108 lx, der Mittelwert 267 lx. Ein Verhältnis von 0,406 wäre im Büro ein Reklamationsgrund. Im Lager ist das anders.
Sehen Sie sich den Plan noch einmal an: Das Minimum liegt an den Außenwänden und in den Ecken, wo die Regale mit dem Rücken zur Wand stehen. In der Mitte der Gänge, wo der Stapler fährt und kommissioniert wird, halten sich die Werte um dreihundert Lux.
Hätte der Planer die Gleichmäßigkeit nach oben getrieben, hätte er Leuchten entlang der Wände ergänzen müssen – und damit die Rückseiten der Regale beleuchtet, auf die nie jemand schaut. Sie hätten für beleuchtetes Blech bezahlt.
Was dagegen falsch wäre
Wenn das Minimum mitten im Gang läge. Dann würde der Lagerist mit dem Stapler vom Licht in den Schatten fahren, Abstände schlechter einschätzen und Etiketten schlechter lesen – bei exakt derselben Gleichmäßigkeit.
Das ist die ganze Lehre: Im Lager ist die Gleichmäßigkeit ohne Plan wertlos. Fragen Sie immer, wo der dunkelste Punkt liegt.
Das Regal ist senkrecht, der Boden waagerecht
Die Berechnung misst die Beleuchtungsstärke auf einer waagerechten Ebene in 0,85 m Höhe – dort ergeben sich 267 lx. Die Ware liegt aber nicht auf dem Boden, sondern im Regal, und die Regalfront ist eine senkrechte Fläche.
Der nächstliegende Wert, den der Bericht für senkrechte Flächen liefert, ist die Beleuchtungsstärke an den Wänden: 115 lx im Mittel, mit einem Minimum von nur 39 lx. Das ist knapp die Hälfte dessen, was am Boden ankommt.
Das lässt sich verallgemeinern: Auf eine senkrechte Fläche fällt von einer üblichen Deckenleuchte deutlich weniger Licht als auf eine waagerechte. Das Licht kommt von oben, und die Regalfront steht fast parallel dazu.
Wann das zum Problem wird
Sobald im Regal Etiketten und Barcodes gelesen oder Waren nach der Farbe der Verpackung unterschieden werden. Hundertfünfzig Lux auf einem Etikett im Schatten des oberen Fachs sind zu wenig. Greift der Lagerist zur Taschenlampe seines Handys, ist das ein Signal, dass der Entwurf etwas übersehen hat.
Die Lösung ist nicht, das Niveau im ganzen Lager von 267 auf 400 Lux anzuheben. Das würde fast die Hälfte mehr Leuchten bedeuten – für Flächen, auf denen niemand etwas liest. Die Lösung sind Leuchten, die in den Gang ausgerichtet sind statt senkrecht nach unten, oder schmale Leuchten direkt über dem Gang statt über dem Regal.
52 Lux an der Decke: das Lager als Höhle
Die Decke erhält 52 lx. Das ist ein Fünftel dessen, was am Boden ankommt, und der niedrigste Wert aller Räume unserer Studienreihe – obwohl die Decke 70 % des Lichts reflektiert.
Der Grund liegt in der Optik der Leuchten. Eine staubdichte Leuchte mit Diffusor schickt fast das gesamte Licht nach unten. Nach oben geht kaum etwas, und die Decke wird nur durch das Licht aufgehellt, das vom Boden zurückgeworfen wird – und der reflektiert nur zwanzig Prozent.
Praktisch bedeutet das: Das Lager wirkt niedriger, als es ist. Das Dach verschwindet im Halbdunkel, der Raum schließt sich optisch. Für die Lagerung spielt das keine Rolle. Für Menschen, die dort acht Stunden arbeiten, ist es nicht angenehm.
Interessant ist die Gleichmäßigkeit an der Decke: 0,768 – deutlich besser als am Boden. Reflektiertes Licht ist gestreut und verteilt sich gleichmäßig. Es ist schwaches, aber ruhiges Licht.
1,11 Watt: warum das Lager so günstig im Betrieb ist
Die gesamte Halle wird mit 1.936 W beleuchtet, also mit 2,97 W/m². Bezogen auf das Licht sind das 1,11 W/m² pro 100 Lux. Zum Vergleich: Ein Grafikstudio kommt bei derselben Kennzahl auf fast das Dreifache.
Dafür sorgen drei Dinge zusammen:
- Niedriges Zielniveau. Ein Lager braucht rund zweihundert Lux, nicht siebenhundertfünfzig. Jedes eingesparte Lux ist ein eingespartes Watt.
- Große Fläche. Auf gut sechshundert Quadratmetern geht an den Wänden nur ein kleiner Teil des Lichts verloren. In einem Raum mit 25 m² ist das Verhältnis von Umfang zu Fläche ungleich schlechter.
- Effiziente Leuchten. 107 lm/W für das Gesamtsystem sind ein sehr guter Wert. 44 Leuchten mit je 44 W liefern zusammen 207.123 Lumen.
Der Wartungsfaktor 0,80 entspricht einem sauberen Lager für Elektromaterial, in dem es nicht staubt wie in einer Werkstatt. In einem staubigen Lager – etwa für Baustoffe – müsste er niedriger angesetzt werden, und die Zahl der Leuchten würde steigen.
Was die Berechnung nicht abdeckt: die Notbeleuchtung
Dieser Bericht berechnet die Allgemeinbeleuchtung. Es gibt aber ein zweites, unabhängiges System, das keine dieser Zahlen beschreibt und nach dem bei der Abnahme als Erstes gefragt wird.
Bei einem Stromausfall muss im Lager so viel Licht bleiben, dass alle den Weg nach draußen finden. Die Werte liegen eine Größenordnung unter der Allgemeinbeleuchtung: Nach DIN EN 1838 und ASR A3.4/3 genügt auf der Mittellinie des Fluchtwegs mindestens 1 Lux. Es geht nicht ums Arbeiten, sondern darum, nicht zu stolpern und den Weg zu sehen.
Drei Dinge, die im Lager unterschätzt werden
- Der Gang zwischen den Regalen ist ein Fluchtweg. Hohe Regale machen daraus einen Tunnel. Eine Notleuchte außerhalb der Gangachse beleuchtet das Regal, nicht den Boden, auf dem man geht.
- Das Rettungszeichen über der Tür muss aus der ganzen Ganglänge erkennbar sein. Aus dreißig Metern ist ein Piktogramm klein – die Zeichengröße richtet sich nach der Erkennungsweite.
- Akkus werden geprüft. Eine Notleuchte ohne regelmäßigen Test ist nur ein Kasten an der Wand. Nach ein paar Jahren leuchtet sie nicht mehr, und niemand merkt es – bis der Strom ausfällt.
Die Notbeleuchtung wird separat geplant, mit eigener Berechnung und eigener Dokumentation. Bietet Ihnen ein Lieferant die Lagerbeleuchtung an, ohne sie zu erwähnen, ist das keine Einsparung – es fehlt ein Teil des Projekts. Passende Leuchten finden Sie unter LED-Notbeleuchtung.
Was die einzelnen Kennzahlen bedeuten
- Gleichmäßigkeit ohne Plan
- Die Zahl allein sagt nichts. Entscheidend ist, ob der dunkelste Punkt im Gang liegt oder hinter dem Regal an der Wand.
- Senkrechte vs. waagerechte Fläche
- Eine Deckenleuchte beleuchtet den Boden deutlich besser als die Regalfront. Etiketten werden aber senkrecht gelesen.
- Beleuchtungsstärke an der Decke
- Bei Leuchten mit Diffusor meist niedrig. Sie beeinflusst nicht die Sehleistung, wohl aber das Raumgefühl.
- Spezifische Leistung pro 100 lx
- Große Räume mit niedrigem Niveau schneiden am besten ab, kleine Räume mit hohem Niveau am schlechtesten.
- Berechnungsraster 128 × 128
- Über sechzehntausend Punkte. Ein grobes Raster hätte die Einbrüche zwischen den Leuchtenreihen nicht gezeigt.
Fazit
Das Lager mit 652,8 m² erreicht 267 lx mit 1.936 W. Die Gleichmäßigkeit von 0,406 sieht schlecht aus, aber das Minimum liegt hinter den Regalen an den Wänden, nicht in den Gängen. Nirgends wird überbeleuchtet.
Zwei Dinge für Ihr eigenes Lager. Erstens: Lassen Sie sich den Plan mit Isolinien zeigen, nicht nur die Tabelle. Eine Gleichmäßigkeit von 0,4 kann einen hervorragenden oder einen schlechten Entwurf bedeuten – das erkennt man nur daran, wo der dunkle Bereich liegt.
Zweitens: Fragen Sie nach dem Regal, nicht nach dem Boden. Kommissioniert wird nicht vom Boden. Werden in Ihrem Lager kleine Etiketten gelesen, brauchen Sie Licht, das in den Gang gerichtet ist – keinen gleichmäßigen Teppich über den Regalen.
Die im Entwurf verwendeten Leuchten finden Sie unter LED-Feuchtraumleuchten. Die Berechnung für Ihr Lager – einschließlich der Bewertung der Gänge – erstellen wir kostenlos.
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