Showroom mit 15 Schienenstrahlern: 338 Lux, aber kein Akzentlicht
Lichtstudie · Showroom und Verkaufsraum
DIALux-Berechnung für einen Showroom mit fünfzehn Strahlern an der Stromschiene. Werteraster, Isolinien und der Grund, warum die Norm in Verkaufsräumen eine Gleichmäßigkeit von 0,4 zulässt.
Fünfzehn Strahler an der Stromschiene – und Licht wie im Büro. Der Showroom erreicht 338 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,79, obwohl die Norm für Verkaufsflächen nur 0,4 verlangt. Das ist fast das Doppelte. Norm erfüllt, Kunde zufrieden – und trotzdem bleibt hier eine Chance ungenutzt.
Werteraster und Isolinien in einem Bild
Diese Zeichnung kombiniert zwei Dinge: An jedem Punkt steht der berechnete Wert in Lux, und darüber verlaufen Isolinien – Linien, die Punkte gleicher Beleuchtungsstärke verbinden. Die Kreise sind die Strahler.
Sehen Sie sich die Verteilung der Zahlen an. In der Mitte des Raums halten sich die Werte zwischen 321 und 347 Lux, an den Seitenwänden steigen sie über 400. Die roten Bereiche – also unter dreihundert – sind zwei schmale Streifen an der oberen und unteren Wand, wo die Strahler nicht hinreichen.
Zwischen dem dunkelsten und dem hellsten Punkt liegen 267 zu 461, also knapp das Doppelte. Für einen Raum, der mit Strahlern beleuchtet wird, ist das bemerkenswert ausgeglichen.
Stromschiene und Strahler: Warum man sie im Handel einsetzt
Der Showroom hat 15 Strahler an einer Stromschiene mit je 30 W. Das ist keine ästhetische, sondern eine betriebliche Entscheidung – und in ihr steckt die ganze Philosophie der Ladenbeleuchtung.
Die Ware zieht um. Die Leuchten müssen mit.
Ein Regal wird verschoben, eine neue Aktionsfläche entsteht, eine andere Kollektion kommt. Ein Einbaupanel in der abgehängten Decke bleibt dort, wo der Elektriker es einmal eingesetzt hat. Ein Schienenstrahler ist in zehn Sekunden versetzt und auf die neue Ware ausgerichtet.
Ein Strahler kann, was ein Panel nicht kann
Ein Panel leuchtet diffus und gleichmäßig. Ein Strahler wirft einen gerichteten Lichtkegel – und nur gerichtetes Licht erzeugt auf einem Produkt Schatten und Glanz. Ohne Schatten wirkt ein dreidimensionaler Gegenstand flach. Ohne Glanz sieht ein verchromtes Bauteil aus wie aus Kunststoff.
Wie viele Strahler sind zu viel?
Fünfzehn Strahler auf 85,2 m² sind ein dichtes Netz. Ihre Lichtkegel überlappen sich so stark, dass aus der punktuellen Beleuchtung eine flächige geworden ist. Daher die Gleichmäßigkeit von 0,79.
Gleichmäßigkeit 0,79 im Laden: Was dabei verloren geht
Die DIN EN 12464-1 verlangt für allgemeine Verkaufsflächen eine Gleichmäßigkeit von 0,4 – also sehr wenig. Der Entwurf liefert 0,79. Warum lässt die Norm einen so niedrigen Wert zu?
Weil sie davon ausgeht, dass ein Laden Kontrast haben will. Das Grundniveau soll so bemessen sein, dass Kunden sicher gehen und Preisschilder lesen können. Die Ware selbst wird dann auf das Zwei- bis Fünffache der Umgebung akzentuiert.
Das Verhältnis, das verkauft
Im Marketing arbeitet man mit dem Verhältnis von Akzent zu Umgebung. Etwa 2:1 bedeutet, dass Ihnen das Produkt auffällt. 5:1 bedeutet, dass Sie es vor allem anderen ansehen. Über 10:1 wirkt die Präsentation theatralisch und ist in einem normalen Laden übertrieben.
Dieser Showroom hat ein Verhältnis von Maximum zu Minimum von 461 zu 267, also etwa 1,7:1. Und das ist kein Akzent – das ist nur eine Ungenauigkeit der Anordnung.
Wie man das ohne eine einzige neue Leuchte behebt
Die Schiene ist montiert, und es sind fünfzehn Strahler. Es genügt, sie neu zu gruppieren: acht Stück für das Grundniveau im Raum lassen und die übrigen sieben auf die ausgestellte Ware richten. Der Mittelwert bleibt ungefähr gleich, die Gleichmäßigkeit sinkt – und der Laden sieht endlich aus wie ein Laden, nicht wie ein Wartezimmer.
Eine Berechnung mit einer Gleichmäßigkeit von 0,79 ist aus Sicht der Norm einwandfrei. Aus Sicht des Umsatzes ist es eine verschenkte Stromschiene.
5,2 Watt pro Quadratmeter
Der Showroom benötigt 447,0 W auf 85,2 m², also 5,2 W/m². Das ist der niedrigste Wert im ganzen Gebäude – und zugleich ist es der größte Raum.
Die übrigen Räume zum Vergleich:
Büro: 673 lx bei 11,2 W/m². Höheres Niveau, höherer Verbrauch – am Computer wird gelesen und geschrieben.
Windfang mit Teeküche: 296 lx bei einer Anforderung von 200, aber 10,8 W/m². Kleiner Raum, großer Anteil des Lichts auf den Wänden.
WC: 275 lx bei 22,5 W/m² – der teuerste Quadratmeter im Haus. Auf 1,6 m² zwei Leuchten; in einem so kleinen Raum landet der größte Teil des Lichts auf den Wänden.
Technikraum: 182 lx, 9,3 W/m². Am wenigsten Licht, weil dort nur ab und zu etwas geschaltet wird.
Sie sehen die Regel: Je kleiner der Raum, desto ungünstiger das Verhältnis von Leistung zum erreichten Niveau. In einem großen Raum fallen die Verluste an den Wänden kaum ins Gewicht, in einer Kammer machen sie den Großteil aus.
Das Preisschild ist eine senkrechte Fläche
Noch etwas, das die Berechnung nicht angibt, das im Laden aber entscheidet: Die Beleuchtungsstärke ist auf der horizontalen Ebene berechnet. Das Preisschild am Regal ist aber senkrecht – ebenso die Stirnseite einer Verpackung, das Etikett und die Produktbeschreibung.
Ein senkrecht nach unten gerichteter Strahler beleuchtet den Boden und die Oberkante des Regalbodens hervorragend. Auf die senkrechte Front trifft sein Licht nur streifend, dort kommt deutlich weniger an. Deshalb werden Strahler im Handel zu den Regalen hin geneigt, statt senkrecht nach unten zu leuchten.
Ein praktischer Test, den jeder machen kann
Stellen Sie sich in den Gang und lesen Sie das unterste Preisschild im untersten Regalboden, ohne sich zu bücken. Wenn Sie die Augen zusammenkneifen müssen, hat der Laden kein Problem mit Lux – er hat ein Problem mit der Richtung, in die die Leuchten zeigen.
Der Wartungsfaktor des Showrooms beträgt 0,67 und geht von einer Reinigung alle 12 Monate aus. Schienenstrahler lassen sich leicht reinigen; eine verstaubte Linse kostet aber mehr Licht als ein verstaubtes Panel, weil das Licht durch eine kleinere Fläche austritt.
Ra 80 im Laden: Minimum, nicht Ziel
Die Norm verlangt für Verkaufsflächen einen Farbwiedergabeindex von 80. Das ist derselbe Wert wie für viele Werkstätten und Lager – und für einen Laden ist das wenig.
Kunden kaufen mit den Augen. Unter Licht mit einer Schwäche im Rotbereich wirkt Holz grau, Leder künstlich und eine lackierte Oberfläche stumpf. Ware, die im Laden nicht überzeugt, wird zu Hause ausgepackt und zurückgeschickt – und eine Retoure kostet mehr als der Preisunterschied bei der Leuchte.
Wo es auf Ra wirklich ankommt
Textilien und farbige Ware. Der Farbton, den ein Kunde im Laden auswählt, muss zu dem passen, was er bei Tageslicht sieht. Hier ist Ra 90 das Minimum.
Lebensmittel. Fleisch, Backwaren und Gemüse haben im Handel eigene Leuchten mit verschobenem Spektrum. Das ist kein Trick – es gleicht aus, dass gewöhnliche weiße LEDs sowohl Grün als auch Rot dämpfen.
Technische Ware. Chrom, gebürstetes Aluminium und schwarzer Kunststoff unterscheiden sich durch Glanz, nicht durch Farbe. Dort entscheidet eher die Lichtrichtung als der Ra-Wert.
Dieser Showroom stellt technische Ware aus, deshalb genügt Ra 80. Würden hier Farben oder Stoffe verkauft, wäre das als Erstes zu ändern.
Was die einzelnen Zahlen bedeuten
- Allgemeine Verkaufsflächen
- Die Norm verlangt hier 300 lx, eine Gleichmäßigkeit von nur 0,4 und eine Blendung von höchstens UGR 22. Die niedrige Gleichmäßigkeit ist Absicht – sie rechnet mit Akzentlicht.
- Akzentverhältnis
- Wie viel heller die beleuchtete Ware ist als ihre Umgebung. 2:1 fällt auf, 5:1 zieht den Blick an, über 10:1 wird es zur Bühne.
- Stromschienensystem
- Eine stromführende Schiene, auf der sich Strahler frei verschieben und ausrichten lassen. So lässt sich die Beleuchtung anpassen, wenn die Ware umgestellt wird.
- Gerichtetes und diffuses Licht
- Ein Strahler erzeugt Schatten und Glanz, ein Panel glättet beides. Ohne Schatten verliert ein Produkt an Volumen.
- Verbrauch kleiner Räume
- Je kleiner der Raum, desto größer der Anteil des Lichts, der auf den Wänden landet. Das WC hat deshalb den schlechtesten W/m²-Wert im ganzen Gebäude.
Was Sie daraus mitnehmen können
Der Showroom mit 85,2 m² hat 338 lx bei 447,0 W, also sehr sparsame 5,2 W/m². Er erfüllt die Norm in allen Parametern, und die Gleichmäßigkeit von 0,79 ist fast doppelt so hoch wie gefordert.
Und genau darin liegt die Lehre. Im Laden ist gleichmäßiges Licht nicht das Ziel, sondern der Ausgangszustand. Die Norm lässt Ihnen den Spielraum für Kontrast – wer ihn nicht nutzt, bezahlt fünfzehn Strahler und bekommt die Wirkung einer Decke voller Panels.
Wenn Sie einen Laden planen, fragen Sie Ihren Lieferanten nach zwei Dingen: Wie groß wird das Verhältnis zwischen beleuchteter Ware und Umgebung sein? Und: Lassen sich die Leuchten nach einem Jahr versetzen? Die Ware zieht um, Preisschilder hängen senkrecht, und Kunden gehen dorthin, wohin das Licht sie führt.
Die Strahler aus diesem Entwurf finden Sie unter LED-Schienensysteme. Die Lichtplanung für Ihren Laden inklusive Akzentbeleuchtung erstellen wir kostenlos.
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