Einfamilienhaus mit 13 Räumen: Lichtberechnung von 86 bis 172 Lux

Lichtstudie · Neubau eines Einfamilienhauses

Lichtberechnung für ein ganzes Einfamilienhaus – und warum man zu Hause nicht auf Lux-Zahlen wie im Büro hin plant. Drei empfohlene Wohnraumtypen, eine Grundbeleuchtung, die durch Steh- und Tischleuchten ergänzt wird, und alles, was jenseits der Lux-Tabelle über das Licht zu Hause entscheidet.

Im Einfamilienhaus wird nicht auf eine einzige Zahl hin beleuchtet – und das Regelwerk weiß das. Das Arbeitszimmer in diesem Haus kommt auf 159 lx, der Flur auf 99. Wäre es ein Büro, wären beide durchgefallen. Aber hier wird gewohnt, und dafür gelten andere Regeln.

Genauer gesagt: fast keine. Die Norm für die Beleuchtung von Arbeitsstätten schreibt für Wohn- und Schlafzimmer keine verbindliche Lux-Zahl vor. Für Wohnräume gibt es nur drei empfohlene Raumtypen, und alle beschreiben lediglich die Allgemeinbeleuchtung. Was fehlt, ergänzen Sie zu Hause mit einer Steh- oder Tischleuchte.

Räume im Haus13drei Wohnraumtypen
Arbeitszimmer (Ø)159 lxGrundlicht, ergänzt durch eine Tischleuchte
Flur (Ø)99 lxreiner Durchgang, genügt
Hellster Raum172 lxdie Ankleide, nicht das Wohnzimmer
LeuchtenEinbaupanelsrunde und quadratische
Lux-Vorgabe für Wohnräumekeinenur Empfehlungen

Die Wohnung kennt das Regelwerk nur in drei Schubladen

Die Beleuchtungsnorm DIN EN 12464-1 regelt Arbeitsstätten – Büros, Werkstätten, Schulen, Verkaufsräume. Für das Wohnen gibt es nur Empfehlungswerte, und genau mit ihnen arbeitet diese Berechnung. Sie teilt das Haus in drei Wohnraumtypen ein:

  • Typ 5 – Allgemeinbeleuchtung eines Wohnraums (die noch durch örtliche Beleuchtung ergänzt wird): Zimmer, Arbeitszimmer, Wohnzimmer.
  • Typ 6 – Verkehrsflächen in der Wohnung: Diele, Flure, WC – Räume, durch die man hindurchgeht.
  • Typ 7 – Wohnküchen, Ankleiden, Speisekammern: Orte, an denen man etwas sucht und mit Dingen hantiert.

Der Schlüssel steckt in der Klammer

Sehen Sie sich den ersten Typ noch einmal an. Hinter dem Namen steht: „die noch durch örtliche Beleuchtung ergänzt wird“. Das ist keine Randnotiz. Das ist die ganze Philosophie des Lichts zu Hause.

Die 159 lx im Arbeitszimmer sind kein Zielwert für die Arbeit. Sie sind das Grundniveau, damit man im Raum etwas sieht und sich sicher bewegt. Zum Lesen und Schreiben stellt man sich eine Leuchte auf den Schreibtisch – und die legt genau dort, wo es nötig ist, gut und gern weitere dreihundert Lux drauf.

Wo im Haus die Leuchten sitzen

Grundriss eines Einfamilienhauses mit der Anordnung der Leuchten in allen Räumen
Grundriss des Geschosses. Die Kreise sind Einbauleuchten, die Zahlen bezeichnen die Räume. Gut zu sehen ist, wie unterschiedlich dicht die Leuchten sitzen: Wohnräume haben ein lockeres, regelmäßiges Raster, kleine Räume eine bis zwei Leuchten.

Dieser Plan sagt über das Haus mehr als jede Tabelle. Große Wohnräume haben vier bis sechs regelmäßig verteilte Leuchten, damit das Licht die ganze Fläche abdeckt. Diele und Flure haben eine Reihe entlang des Durchgangs. Das WC kommt mit einer einzigen aus.

Die eingesetzten Lichtquellen haben 4.100 K, also Neutralweiß – eine Lichtfarbe zwischen warmer Glühlampe und kühlem Bürolicht. Für ein Wohnhaus ist das ein vernünftiger Kompromiss: neutral genug für Bad und Küche, ruhig genug fürs Wohnzimmer. Wer abends eine wärmere Stimmung möchte, löst das mit Steh- und Tischleuchten, nicht mit dem Deckenlicht.

Dreizehn Räume, drei Ansprüche

Raum Typ (Empfehlung) Beleuchtungsstärke Gleichmäßigkeit Spez. Anschlussleistung
Arbeitszimmer Allgemeinbeleuchtung Wohnraum 159 lx 0,57 6,4 W/m²
Zimmer Allgemeinbeleuchtung Wohnraum 125 lx 0,75 3,3 W/m²
Zimmer Allgemeinbeleuchtung Wohnraum 120 lx 0,77 4,2 W/m²
Zimmer Allgemeinbeleuchtung Wohnraum 132 lx 0,81 4,7 W/m²
Diele Verkehrsfläche in der Wohnung 128 lx 0,75 8,8 W/m²
Flur Verkehrsfläche in der Wohnung 99 lx 0,80 5,1 W/m²
Ankleide Wohnküche, Ankleide, Speisekammer 172 lx 0,83 6,4 W/m²
Bad Wohnküche, Ankleide, Speisekammer 168 lx 0,88 6,7 W/m²
Bad Wohnküche, Ankleide, Speisekammer 142 lx 0,82 9,1 W/m²
Technikraum Wohnküche, Ankleide, Speisekammer 103 lx 0,88 4,1 W/m²
WC Verkehrsfläche in der Wohnung 114 lx 0,75 6,8 W/m²
WC Verkehrsfläche in der Wohnung 86 lx 0,85 8,6 W/m²

Aufgeführt sind 12 der 13 Räume; die spezifische Anschlussleistung ist in W/m² angegeben.

Lesen Sie die Tabelle von oben nach unten, und Sie erkennen die Logik. Die Wohnräume liegen zwischen 120 und 159 lx. Verkehrsflächen kommen mit weniger aus – der Flur mit nur 99, ein WC mit 86. Am hellsten sind Ankleide und Bad mit 172 und 168 lx.

Warum gerade Ankleide und Bad am hellsten sind

Das ist weder Zufall noch Fehler. In der Ankleide unterscheidet man die Farben der Kleidung, im Bad rasiert und schminkt man sich – beides verlangt mehr und vor allem gleichmäßiges Licht. Entsprechend hoch ist dort auch die Gleichmäßigkeit: 0,83 in der Ankleide, 0,88 im Bad. Den Bestwert des Hauses teilt sich das Bad nur mit dem Technikraum.

Das Wohnzimmer dagegen will kein gleichmäßiges, hartes Licht. Dort entspannt man sich, und dazu passt ein niedrigeres, weicheres Niveau, ergänzt durch Leuchten neben dem Sofa.

In welcher Höhe in der Wohnung gerechnet wird

Werteraster der Beleuchtungsstärke in der Diele des Einfamilienhauses
Werteraster in der L-förmigen Diele. Die blauen Zahlen sind die berechnete Beleuchtungsstärke in Lux, die Kreise die Leuchten. Die Werte liegen zwischen 97 und 153; in der ausgesparten Ecke links unten sinken sie auf 97.

Die Diele zählt zu den Verkehrsflächen der Wohnung und wird in einer Höhe von null Millimetern berechnet – also auf dem Boden. Das ist sinnvoll: In einem Durchgangsraum kommt es darauf an, zu sehen, wohin man tritt, nicht, was auf dem Tisch liegt.

Wohnräume werden dagegen in den üblichen 850 mm über dem Boden bewertet, also in Tischhöhe. Daher rührt ein Teil der Unterschiede in der Tabelle – dieselbe Leuchte ergibt auf dem Boden einen anderen Wert als in Höhe der Tischplatte.

Die Diele erreicht im Mittel 128 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,75. In der ausgesparten Ecke, die keine der Leuchten richtig abdeckt, sinken die Werte – in der Diele stört das aber nicht, in die Ecke geht ohnehin niemand.

Was die Norm in der Wohnung nicht regelt – und trotzdem entscheidet

Farbtemperatur

Die Empfehlungen für Wohnräume sprechen von Lux, nicht von der Lichtfarbe. Dabei entscheidet gerade sie, ob ein Raum wie ein Zuhause wirkt oder wie eine Arztpraxis. Die gewählten 4.100 K sind neutral; für Schlaf- und Wohnzimmer würden viele zu wärmeren 2.700–3.000 K greifen, die abends nicht aufputschen und beim Einschlafen helfen.

Dimmen

Licht zu Hause braucht mehrere Stufen. Morgens im Bad volle Leistung, abends im Wohnzimmer ein Zehntel davon. Keine Norm schreibt das vor, aber es ist der Unterschied zwischen einem Zuhause, das sich dem Tagesrhythmus anpasst, und einem, in dem das Licht nur an oder aus ist.

Lichtebenen

Zurück zur Klammer aus der Empfehlung. „Wird durch örtliche Beleuchtung ergänzt“ heißt: Die Decke ist nur die erste Ebene. Dazu kommen die Leseleuchte, der LED-Streifen unter den Hängeschränken der Küche und das Licht am Spiegel. Erst diese drei bis vier Ebenen machen ein Haus wohnlich – und die Berechnung der Deckenbeleuchtung erfasst bewusst nur die Grundebene.

Farbwiedergabe

Die Lichtquellen haben Ra 80. Für den größten Teil des Hauses genügt das, aber in der Ankleide und am Badspiegel würde Ra 90 einen spürbaren Unterschied machen – darin, wie naturgetreu Sie die Farben von Kleidung und Haut sehen. Das ist eine der wenigen Stellen im Haus, an denen sich ein Aufpreis lohnt.

Was die einzelnen Zahlen bedeuten

Allgemeine und örtliche Beleuchtung
Die Allgemeinbeleuchtung ist das Grundniveau von der Decke, damit der Raum nutzbar ist. Örtliche Beleuchtung ist die Leuchte oder der LED-Streifen dort, wo gelesen, gekocht oder geschminkt wird. Ein Zuhause braucht beides.
Empfehlungswert
Anders als für Arbeitsstätten gibt es für das Wohnen keine verbindliche Lux-Zahl. Die Berechnung arbeitet mit Empfehlungen, von denen man je nach Nutzung abweichen kann.
Verkehrsflächen in der Wohnung
Diele, Flure, WC. Sie werden oft auf Bodenhöhe berechnet – in einem Durchgangsraum kommt es darauf an, zu sehen, wohin man tritt.
Farbtemperatur
Der Farbton des weißen Lichts in Kelvin. Die Empfehlungen für Wohnräume regeln sie nicht, dabei entscheidet sie über die Atmosphäre: warm zum Entspannen, neutral fürs Bad.
Lichtebenen
Decke, Leuchte, LED-Streifen, Spiegellicht. Ein wohnliches Haus hat drei bis vier davon und wechselt je nach Tageszeit und Tätigkeit zwischen ihnen.
Farbwiedergabe Ra
Wie naturgetreu Farben unter dem Licht erscheinen. In der Ankleide und am Spiegel lohnt sich ein höherer Wert, im übrigen Haus genügt Ra 80.

Was Sie daraus mitnehmen können

Ein Einfamilienhaus mit 13 Räumen, Werte von 86 bis 172 lx, drei empfohlene Wohnraumtypen. Keine verbindliche Lux-Norm – und trotzdem ergibt der Entwurf in jedem Raum Sinn.

Drei Erkenntnisse:

Ein niedrigerer Wert in der Wohnung ist kein Fehler. Das Arbeitszimmer mit 159 Lux ist die Basis, zu der eine Schreibtischleuchte gehört. Wer vom Deckenlicht fünfhundert Lux wie im Büro erwartet, hat das Prinzip des Wohnlichts nicht verstanden.

Es entscheidet der Zweck des Raums, nicht eine einzige Regel. Bad und Ankleide wollen gleichmäßiges Licht, das Wohnzimmer weiches, der Flur nur so viel, dass man die Stufen sieht. Ein guter Entwurf unterscheidet das.

Licht im Haus braucht Ebenen und Stufen. Decke, Leuchten, Farbtemperatur, Dimmen. All das liegt außerhalb der Berechnung der Deckenbeleuchtung – und doch macht gerade das aus einem Haus ein Zuhause.

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