Restaurant mit 24 Räumen: Gastraum 363 Lux, Küche 568 Lux
Lichtstudie · Restaurant
Die Norm sagt nicht, wie viele Lux ein Gastraum braucht – aber sie weiß, wie das Essen aussehen soll. DIALux-Berechnung für ein Restaurant mit 24 Räumen: Werteraster, ein fast sechsfacher Unterschied zwischen Lager und Spüle und eine Gleichmäßigkeit von 0,25, die Absicht ist.
Wie viele Lux braucht ein Restaurant? Die Norm beantwortet das nicht. In ihrer Tabelle der Raumarten steht beim Eintrag „Restaurant, Speiseraum, Gesellschaftsraum“ bei Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit und Blendung kein Wert, nur ein Strich. Das Einzige, was sie verlangt, ist eine Farbwiedergabe von Ra 80. Die Küche zwei Wände weiter muss dagegen 500 lx und eine Gleichmäßigkeit von 0,6 erreichen.
Ein Betrieb, 24 Räume, fast sechsfacher Unterschied
Ein Restaurant ist nicht ein einziger Raum. Es ist Lager, Flur, Gastraum, Bar, Küche, Spülküche und Technikraum unter einem Dach – und jeder dieser Räume hat eigene Anforderungen. Hier eine Auswahl:
| Raum | Ø Beleuchtungsstärke | Gleichmäßigkeit | Anforderung |
|---|---|---|---|
| Lager im Untergeschoss | 111 lx | 0,65 | 100 lx |
| Flur | 144 lx | 0,73 | 100 lx |
| Gastraum | 363 lx | 0,25 | keine Vorgabe |
| Bar | 265 lx | 0,9 | keine Vorgabe |
| Gesellschaftsraum | 305 lx | 0,31 | keine Vorgabe |
| Toiletten | 215 lx | 0,94 | 200 lx |
| Speisenzubereitung (Küche) | 568 lx | 0,71 | 500 lx |
| Spülen von Tafelgeschirr | 636 lx | 0,89 | 500 lx |
Von 111 Lux im Kellerlager bis 636 Lux über dem Spülbecken, an dem das Tafelgeschirr gespült wird. Fast das Sechsfache – und doch ist alles ein Betrieb.
Achten Sie auf die Spalte mit den Anforderungen. Bei drei Räumen – Gastraum, Bar und Gesellschaftsraum – steht „keine Vorgabe“. Das ist kein Fehler in der Tabelle. Die Norm nennt dort tatsächlich keinen Wert.
Warum die Norm zum Gastraum schweigt
Die DIN EN 12464-1 beschreibt die Beleuchtung von Arbeitsstätten. Sie legt fest, wie viel Licht ein Mensch braucht, um eine Tätigkeit sicher und präzise auszuführen.
Der Gast im Restaurant arbeitet nicht. Er isst, unterhält sich und schaut auf seinen Teller. Es gibt keine Sehaufgabe, die sich messen und vorschreiben ließe. Deshalb lässt die Norm die Werte für den Gastraum offen und sagt dem Planer damit: Das ist eine Frage der Atmosphäre, nicht der Sicherheit.
Das Einzige, worauf sie besteht
Ra 80, also der Farbwiedergabeindex. Und das ist sehr sinnvoll. Unter schlechtem Licht wirkt ein blutiges Steak grau, der Salat welk und der Wein bräunlich. Der Gast kann das nicht benennen, aber das Auge isst mit – und ihm schmeckt es dann nicht. Dabei ist er genau zum Genießen gekommen.
Ein Gastronom, der bei den Leuchten an der Farbwiedergabe spart, spart genau an dem Einzigen, worauf die Norm in seinem Gastraum achtet.
Freiheit heißt nicht Beliebigkeit
Dass die Norm nichts vorschreibt, heißt nicht, dass es egal ist, wie viel Licht im Gastraum herrscht. Es heißt, dass die Verantwortung auf Planer und Betreiber übergeht. 100 Lux ergeben ein romantisches Lokal für zwei. 300 sind ein Bistro für die schnelle Mittagspause. 500 sind eine Betriebskantine – auch wenn an den Wänden Bilder hängen.
Dieser Entwurf hat sich für rund 360 entschieden. Das ist ein Wert für ein Lokal, in dem mittags gegessen und abends bei einem Glas Wein gesessen wird – ein Kompromiss, mit dem man leben kann, sofern sich das Licht dimmen lässt.
Gastraum: Gleichmäßigkeit 0,25 – und das ist richtig so
Das folgende Bild ist ein Raster der berechneten Werte – an jedem Punkt eine konkrete Beleuchtungsstärke. Die Rechtecke sind die Leuchten.
Mittelwert 363 lx, aber eine Gleichmäßigkeit von nur 0,25. Im Büro wäre das ein Reklamationsgrund. Hier ist es eine Funktion, kein Mangel.
Sehen Sie sich die Form des Raums an. Er ist L-förmig, und die sechs Leuchten hängen nur über dem Hauptteil. Der Schenkel oben links liegt bei 90 bis 180 Lux. Wofür er dient, verrät die Berechnung nicht, aber der Planer hat dort bewusst keine Leuchten vorgesehen – hätte dort ein Tisch stehen sollen, hätte er welche gesetzt.
Ungleichmäßigkeit als Werkzeug
Ein gutes Restaurant will kein gleichmäßiges Licht. Es will einen helleren Lichtkreis über dem Tisch und Halbdunkel zwischen den Tischen. Dieser Kontrast schafft Privatsphäre – der Gast hat das Gefühl, auf seiner eigenen kleinen Insel zu sitzen.
Hätte dieser Gastraum eine Gleichmäßigkeit von 0,8, sähe er aus wie eine Schulmensa. Die Zahl 0,25 sagt also nicht, dass der Entwurf schlecht ist. Sie sagt, dass jemand an die Gäste gedacht hat.
Küche: genau die entgegengesetzte Welt
Zehn Meter weiter, hinter der Tür, gelten andere Regeln. Die Speisenzubereitung fällt unter die Raumart Küche, und die Norm verlangt hier 500 lx und eine Gleichmäßigkeit von 0,6.
Ergebnis: 568 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,71. Beides liegt über der Anforderung.
Der Raum ist schmal – 8,5 auf 2,4 Meter. Zehn Leuchten hängen in zwei durchgehenden Reihen über beiden Arbeitszeilen. Rote Werte gibt es nur in den vier Ecken, wo Regale stehen.
Warum die Küche so viel mehr Licht braucht als der Gastraum
Messer. Der Koch schneidet, portioniert und filetiert. Die Hand ist nur Zentimeter von der Klinge entfernt – eine Fehleinschätzung, und die Wunde muss genäht werden.
Kontrolle. Ob das Fleisch durch ist, das Gemüse frisch und der Teller sauber, erkennt nur, wer Details und Farben sieht.
Hygiene. Ein Speiserest in der Fuge der Arbeitsplatte ist bei 200 Lux unsichtbar. Bei 500 springt er ins Auge. Die Küchenbeleuchtung gehört zur Hygiene, nicht zum Komfort.
636 Lux über dem Spülbecken
Der hellste Ort im ganzen Betrieb ist nicht die Küche, sondern das Spülen des Tafelgeschirrs: 636 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,89.
Das klingt übertrieben. Ist es aber nicht. Gespültes Glas unterscheidet sich von ungespültem durch einen fettigen Schleier, der nur unter hellem Licht und im richtigen Winkel sichtbar ist. Ein Fleck auf dem Besteck, ein Lippenstiftrest am Glas – im Halbdunkel übersieht man das, und es landet wieder beim Gast auf dem Tisch.
Zum Vergleich: Die Bar hat 265 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,9, also ausgeglichenes und eher gedämpftes Licht. Der Gesellschaftsraum hat 305 lx, aber eine Gleichmäßigkeit von nur 0,31 – wieder bewusst kontrastreiches, gegliedertes Licht.
Und das Lager im Untergeschoss? 111 lx, also am wenigsten im ganzen Haus. Die Norm verlangt dort 100, und mehr braucht es nicht – Kisten muss man nicht lesen.
Was die einzelnen Zahlen bedeuten
- Raumart nach Norm
- Jede Tätigkeit hat in der Norm eine eigene Zeile mit Anforderungen. Restaurant und Speiseraum haben bei der Beleuchtungsstärke keinen Wert – die Norm betrachtet sie nicht als Arbeitsbereich.
- Ra (Farbwiedergabeindex)
- Die einzige verbindliche Anforderung für den Gastraum: Ra 80. Er entscheidet, wie das Essen auf dem Teller aussieht.
- Gleichmäßigkeit im Gastraum
- Ein niedriger Wert ist Absicht. Ein hellerer Lichtkreis über dem Tisch und Halbdunkel zwischen den Tischen schaffen Privatsphäre.
- Gleichmäßigkeit in der Küche
- Muss dagegen hoch sein. Der Koch arbeitet mit dem Messer, und ein Schatten auf der Arbeitsplatte ist ein Sicherheitsrisiko.
- Werteraster
- Die berechnete Beleuchtungsstärke an einzelnen Punkten. So lässt sich der Wert genau dort ablesen, wo später ein Tisch oder eine Küchenzeile steht.
Was Sie daraus mitnehmen können
Der Betrieb hat 24 Räume und Werte von 111 bis 636 lx. Gastraum 363 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,25, Küche 568 lx bei 0,71. Beides ist richtig, denn es sind zwei völlig verschiedene Welten.
Wenn ein Gastronom nur eine Sache mitnimmt: Lassen Sie sich den Gastraum nicht nach der Norm planen. Die Norm nennt dafür kein Niveau, und ein Planer, der ihn „zur Sicherheit“ auf 500 Lux auslegt, macht aus Ihrem Restaurant eine Kantine.
Bei Küche und Spüle dagegen sollten Sie die Norm bis aufs letzte Lux einfordern. Dort geht es nicht um Atmosphäre, sondern um Finger, Hygiene und Reklamationen. Und bestehen Sie im ganzen Betrieb auf Ra 80 – das ist das Einzige, was die Norm im Gastraum wirklich verlangt.
Lineare LED-Leuchten wie in diesem Entwurf finden Sie unter LED-Röhrenleuchten, für Küche und Spülbereich eignen sich LED-Feuchtraumleuchten. Eine Lichtplanung für Restaurant, Küche und Nebenräume erstellen wir kostenlos – und das Niveau im Gastraum stimmen wir mit Ihnen darauf ab, was für ein Lokal Sie führen möchten.
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