Kfz-Werkstatt mit 328 Lux und UGR 18,7: 24 Linearleuchten
Lichtstudie · Kfz-Werkstatt
Warum die Blendung in der Werkstatt eine wichtigere Kennzahl ist als die Zahl der Lux. DIALux-Berechnung für eine Kfz-Werkstatt nach DIN EN 12464-1: Beleuchtungsstärke, Gleichmäßigkeit, Farbwiedergabe – und vor allem UGR, ein Wert, den Sie in Angeboten fast nie finden.
Die Kfz-Werkstatt hat in der Norm eine eigene Zeile. Die DIN EN 12464-1 fordert für allgemeine Fahrzeugwartung, Reparatur und Prüfung 300 lx, eine Gleichmäßigkeit von 0,6, einen Farbwiedergabeindex von 80 und – was oft übersehen wird – eine Blendungsbegrenzung auf höchstens UGR 22,0. Der Entwurf erfüllt alle vier Anforderungen: 328 lx, 0,71, CRI 80 und UGR 18,7. Am knappsten ist ausgerechnet die Blendung.
So sind die Leuchten angeordnet
Sagen wir gleich, was die folgende Abbildung ist und was nicht. Sie ist keine Karte der Beleuchtungsstärke. Es ist ein bemaßter Leuchtenplan – der Grundriss der Werkstatt mit den Positionen der einzelnen Leuchten und Maßen in Millimetern.
Aus der Bemaßung lässt sich die Geometrie des Entwurfs ablesen. In horizontaler Richtung, also entlang der Längsachse der Leuchten, beträgt der Abstand 3,75 m. In vertikaler Richtung, quer zu den Leuchten, nur 2,5 m. Das Raster ist also nicht quadratisch, sondern rechteckig.
Das ist sinnvoll: Die Leuchte selbst ist langgestreckt und füllt mit ihrer Länge einen Teil der Lücke in Richtung ihrer Achse. Quer dazu ist sie nur ein schmaler Streifen, deshalb müssen die Leuchten dort dichter sitzen. Wer Linearleuchten in ein quadratisches Raster setzt, liegt meist in der einen oder der anderen Richtung daneben.
Achten Sie auch auf den Wandabstand. Die erste Reihe liegt 1,25 m von der Wand entfernt, also genau beim halben Reihenabstand. Ebenso beginnen die Spalten 1,875 m von der Seitenwand, die Hälfte von 3,75 m. Das ist die klassische Regel: Würden die Leuchten erst im vollen Abstand beginnen, fehlte an den Wänden Licht; hingen sie direkt an der Wand, landete die Hälfte ihres Lichtstroms im Putz.
UGR: die Zahl, die in Werkstätten vergessen wird
UGR steht für Unified Glare Rating, die vereinheitlichte Blendungsbewertung. Diese dimensionslose Zahl beschreibt, wie unangenehm Leuchten in die Augen strahlen. Die Skala reicht etwa von 10 (nicht wahrnehmbar) bis 30 (unerträglich), und in der Praxis gilt:
- UGR 16 – feine Werkstattarbeit, Zeichnen.
- UGR 19 – Büros.
- UGR 22 – Werkstätten, Fertigung, Service.
- UGR 25 – grobe Arbeiten und Lager, in denen nicht mit Details gearbeitet wird.
Die Berechnung liefert hier drei Werte: niedrigster 16,0, Mittelwert 18,7 und höchster 21,3. Maßgeblich ist der letzte, und der Grenzwert liegt bei 22,0. Die Reserve beträgt also sieben Zehntel – genug, aber nichts, womit man spielen sollte.
Warum UGR drei Werte hat
Weil die Blendung davon abhängt, von wo und wohin Sie schauen. Stehen Sie mit dem Rücken zum Fenster und blicken in eine Ecke der Werkstatt, haben Sie keine Leuchte im Blickfeld, und der UGR ist niedrig. Drehen Sie sich um und schauen entlang einer Leuchtenreihe, haben Sie fünf Leuchten hintereinander im Blickfeld, und der UGR springt nach oben.
Die Berechnung geht deshalb den ganzen Raum durch und ermittelt die Blendung für acht Blickrichtungen von jedem Punkt aus. Ausgewiesen wird der ungünstigste gefundene Wert. Die 21,3 bedeuten: Es gibt in der Werkstatt einen Ort und eine Blickrichtung, in der die Blendung am stärksten ist – und selbst dort liegt sie unter dem Grenzwert.
1,2 Meter Höhe und der Mechaniker unter der Hebebühne
Die Beleuchtungsstärke wird in 850 mm Höhe berechnet – etwa auf Höhe der Werkbank. Die Blendung dagegen in 1.200 mm, der genormten Augenhöhe eines sitzenden Menschen.
In einer Kfz-Werkstatt ist das ein interessanter Widerspruch. Der Mechaniker an der Werkbank steht, hat die Augen auf rund zwei Metern Höhe und schaut nach unten. Der Mechaniker unter der Hebebühne steht ebenfalls, schaut aber nach oben – direkt an die Decke, wo die Leuchten hängen.
Die Standardberechnung des UGR deckt diesen zweiten Fall nicht ab. Das heißt nicht, dass die Berechnung falsch ist – sondern dass es sich in einem Betrieb mit Hebebühnen lohnt, auch an Dinge zu denken, die die Norm nicht berechnet:
- Leuchten mit Diffusor statt offener LED-Chips. Der Blick in eine punktförmige Lichtquelle aus einem halben Meter Abstand ist unangenehm, egal, was die Tabelle sagt.
- Nicht direkt über der Hebebühne beleuchten. Das Licht, das auf den Unterboden fällt, kommt ohnehin von der Seite; eine Leuchte direkt über der Hebebühne beleuchtet das Fahrzeug vor allem von oben und strahlt dem Mechaniker nur in die Augen.
- Eine mobile Handleuchte als Ergänzung, nicht als Ersatz. Die Allgemeinbeleuchtung soll die Werkstatt auf das Normniveau bringen; Details leuchtet sich der Mechaniker selbst aus.
Wartungsfaktor 0,49: die härteste Annahme der ganzen Berechnung
Der Entwurf geht davon aus, dass nach Jahren im Betrieb knapp die Hälfte des ursprünglichen Lichts übrig bleibt. Der Wert 0,49 ist außergewöhnlich streng – in einem sauberen Büro rechnet man üblicherweise mit etwa 0,8.
Der Grund ist das, was in einer Kfz-Werkstatt in der Luft liegt: Ölnebel aus offenen Motoren, Schleifstaub von den Schleifscheiben, Abgase beim Starten der Fahrzeuge in der Halle. All das setzt sich auf den Leuchtenabdeckungen ab und bildet einen schmierigen Film, der nicht von selbst verschwindet.
Praktisch bedeutet das: Die angegebenen 328 lx beschreiben den Zustand am Ende der Nutzungsdauer der Anlage, nicht nach der Montage. Eine frisch ausgestattete Werkstatt ist deutlich heller. Hätte man optimistisch mit 0,8 gerechnet, wären weniger Leuchten herausgekommen – und nach fünf Jahren läge die Werkstatt unter der Norm, ohne dass irgendetwas defekt wäre.
Was man dagegen tun kann
Entweder akzeptiert man die strenge Annahme und setzt mehr Leuchten ein, wie hier. Oder man plant eine regelmäßige Reinigung der Abdeckungen ein und rechnet mit einem milderen Faktor. Der zweite Weg ist in der Anschaffung günstiger und im Betrieb teurer – und in der Praxis hat niemand Zeit dafür.
CRI 80: Lack von Grundierung unterscheiden
Die Norm verlangt für den Fahrzeugservice einen Farbwiedergabeindex von mindestens 80. Der Entwurf erfüllt ihn genau.
Warum ist das in der Werkstatt wichtig? Weil viele Arbeiten davon abhängen, dass Sie den Farbton sehen, nicht nur die Form. Ob der Fleck unter dem Auto dunkles Öl ist oder braune Bremsflüssigkeit. Ob die Bremsscheibe durch Überhitzung verfärbt ist oder nur nass. Ob unter dem abgeschabten Lack noch Grundierung ist oder schon blankes Blech mit beginnender Korrosion.
Günstige LEDs mit niedrigem CRI unterdrücken den Rotanteil. Rost wirkt dann graubraun, Kupfer wie Messing und frisches Blut wie Öl. In der Lackiererei oder beim Mischen von Farbtönen sollte man deshalb höher gehen, auf CRI 90 und mehr; für den normalen Service reicht CRI 80.
Was die einzelnen Größen bedeuten
- UGR
- Unified Glare Rating, die vereinheitlichte Blendungsbewertung. Dimensionslose Zahl von etwa 10 bis 30. Für den Fahrzeugservice darf sie 22 nicht überschreiten.
- Perpendikulare Beleuchtungsstärke
- Licht, das senkrecht auf die betrachtete Ebene fällt – hier auf die Arbeitsebene in 850 mm Höhe.
- Raumart nach Norm
- Jede Nutzung hat in der DIN EN 12464-1 eine eigene Zeile mit Anforderungen. Fahrzeugservice: 300 lx, U0 0,6, UGR 22, CRI 80.
- Wartungsfaktor
- Der Anteil des Lichts, der nach Jahren im Betrieb übrig bleibt. In der Kfz-Werkstatt wegen Ölnebel und Staub niedrig.
- Farbwiedergabeindex (CRI)
- Wie naturgetreu eine Leuchte Farben zeigt. Mit 80 unterscheiden Sie Rost von Lack, zum Mischen von Farbtönen ist es zu wenig.
- Leuchtenplan
- Bemaßter Grundriss mit den Positionen der Leuchten. Er zeigt keine Beleuchtungsstärken – die stehen in der Ergebnistabelle.
Fazit
Die Werkstatt mit 225 m² erreicht 328 lx bei einer Gleichmäßigkeit von 0,71 und einem UGR von 18,7. Alle vier Normanforderungen sind erfüllt, und zwar auch nach Jahren im Betrieb – weil mit einem Wartungsfaktor von 0,49 gerechnet wurde.
Wenn Sie nur eines mitnehmen: Fragen Sie bei einer Werkstatt nicht nur nach Lux. Fragen Sie nach dem UGR. Er ist die einzige Zahl, die beschreibt, ob man in einem Raum acht Stunden ohne Kopfschmerzen arbeiten kann – und zugleich die einzige, die Sie in einem üblichen Angebot nicht finden, weil viele Anbieter sie gar nicht berechnen.
Die Leuchten aus dem Entwurf sind LED-Linearleuchten; geschlossene, robuste Ausführungen für Werkstätten finden Sie unter LED-Feuchtraumleuchten. Die Lichtplanung für Ihre Werkstatt einschließlich Blendungsberechnung erstellen wir kostenlos.
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